Kommentar: Die Kontroversen um EA wollen nicht abreissen

In Games

EA war und ist einer der BIG PLAYER in der Videospiele-Industrie. In den letzten Jahren entwickelte sich allerdings eine Art „universelle Abneigung“ gegen bei vielen Gamern gegen EA.

„EA Sports – it’s in the game“ – wer kennt den Slogan nicht, der ab Mitte der 90er Jahre sportbegeisterte Gamer erfreute, wenn Sie eines der zahlreichen lizenzierten Sportspiele von EA starteten? Mit eben diesen Sportspielen ebnete sich EA den Weg an die Spitze, stachen die Konkurrenz aus und erfreuten Jahr für Jahr Gamer auf der ganzen Welt.

Ein ganz anderes Genre eroberte und eine ganz andere Zielgruppe erreichte EA jedoch als Sie im September 2002 das von DICE entwickelte Multiplayer-Weltkriegsepos „Battlefield 1942“ veröffentlichten. Das Spiel war ein weltweiter Erfolg welcher mit gleich drei Expansions, die es damals noch als wirklich neu entwickelten Content zum Festpreis auf CD-Rom gab, von den Gamern und Kritikern gleichermaßen gefeiert wurde. Gigantische Maps, riesige Spielerzahlen, grundlegend historische Korrektheit und eine Vielzahl an Features und Waffen sowie Support für eigene Server – viele von uns hatten mit Battlefield 1942 das erste Mal Kontakt mit einem Multiplayer-Team-Shooters eines solchen Kalibers.

EA: Fall des Giganten

EA verstand es gut, Geschäfte zu machen. Jahr für Jahr erschienen die lizenzierten Sportspiele und Battlefield wurde zu einem der größten Franchisen von EA. Auch hier gab es fast jährlich Auskopplungen. Mit Spielen wie „Battlefield Hardline“ wurde das Franchise „Battlefield“ weiter gemolken, auch wenn sich das Kern-Gameplay sehr von dem unterschied, was sich über Jahre etabliert hatte.

Seit einigen Jahren versteht jedoch EA viele der entwickelten Spiele nicht mehr als eigenständige Produkte sondern als fortlaufendes Service. Season Pass, Booster Packs, scheinbar zurückgehaltener Content und nur marginale Verbesserungen bei den annualen Sportgames stießen bei mehr und mehr Fans sauer auf. Vorbei waren die Zeiten, wo man für sein Geld qualitativ hochwertige, fertige Spiele erhielt. Day 1 Patches und teilweise schwerwiegende Bugs, Netzwerkprobleme und fehlende Features gehören schon seit einigen Jahren zu jedem EA-Launch dazu. Die Fangemeinde kocht indes über. Auf Seiten wie Twitter und Reddit wird der Software- und Publisher-Gigant laufend angefeindet. Sogar zur „most evil company“ wurde EA bereits mehrmals gewählt.

Selbstverständlich könnte man diese Aufschreie jetzt als das Geheule von Fanboys abtun oder als einen Haufen Nerds und Gamer die sich über ihre Spiele aufregen. Doch das Verhalten von EA hat weitreichendere Folgen: Immer mehr Content verschwindet hinter Paywalls, immer weniger Leistung für immer mehr Cash.

Mit Star Wars Battlefront II hatte EA die Hypemaschine wieder richtig angeheizt und als es schließlich am 17. November 2017 erschien, waren viele Gamer ganz verrückt danach endlich wieder in epischen Weltraumschlachten den Feierabend zu genießen. Die Überraschung war groß, als sich relativ bald herausstellte, dass man sich durch echtes Geld Helden und Features, die eigentlich Teil des normalen Spiels sein sollten, einfach kaufen konnte. Microtransactions so weit das Auge reichte. Noch dazu wurden Belohnungen nach dem Zufallsprinzip verteilt, welches ein wirklich strukturiertes Freischalten von Inhalten nur möglich machte, wenn man dafür bezahlte. Es hagelte kritische Presseberichte und die Community kochte. EA verteidigte die getroffenen Entscheidungen erst vehement: Man könne alle Inhalte auch durch normales Spielen des Spiels erlangen. Allerdings nur mit kaum zumutbaren Zeitaufwand. In den Medien wurde sogar davon gesprochen Microtransaktionen in der Art wie sie von EA in Star Wars Battlefront II verbaut worden waren als Glücksspiel kennzeichnen zu müssen, wäre der Erfolg doch weitestgehend vom Zufall abhängig und auch echtes Geld involviert.

Nach ein paar Wochen lenkte EA ein und strich die Microtransaktionen vorerst aus dem Spiel. Der Schaden war jedoch angerichtet, welcher sich in den vergleichsweise miesen Verkaufszahlen von Star Wars Battlefront II niederschlug. Die politisch motivierten Kontroversen um den Film „Star Wars The Last Jedi“ trugen nichts mehr zum erhofften Erfolg von EA’s Game bei. Ganz im Gegenteil. Auch die kurz darauf erschienene, nach dem Film benannte Expansion, konnte die enttäuschten Fans kaum noch versöhnen. Im April 2018 wurden die Microtransaktionen von EA wieder ins Spiel integriert. Diesmal gibt es allerdings nur noch kosmetische Aufwertungen für echtes Geld zu kaufen. Die Playerbase hat allerdings inzwischen ohnehin das Weite gesucht. Star Wars Battlefront II hat sich als finanzielles Debakel für EA erwiesen.

An dieser Stelle kann man 2 Schlüsse ziehen: zum Einen, dass der einfache Gamer sehr wohl etwas beeinflussen kann. Immer häufiger müssen sich, dank einer „vote with your wallet“-Mentalität der Gaming-Community, immer mehr Publisher und Entwickler den Wünschen der Spieler geschlagen geben. Dass ein auf Microtransaaktionen basierendes Geschäftsmodell weit mehr Profit macht, als nur rein der einmalige Spieleverkauf, ist klar. Ebenso klar war, dass sich EA auf diese Praktiken wie ein Geier stürzen würde, doch auch ein Gigant wie EA ist abhängig vom Wohlwollen seiner Kunden und den damit verbundenen Einnahmen.

Man sollte meinen, beim nächsten großen Release der ins Hause steht, nämlich Battlefield V – für was schon ordentlich die Werbetrommeln gerührt werden – wird EA aufpassen, nicht wieder ins Community-Fettnäpfchen zu treten und hier möglichst viel richtig zu machen. Ist Battlefield jedoch eines der beliebtesten Franchises aus eigenem Hause und eine wahre Cash-Cow.

Kein Ende der Kontroversen in Sicht

Battlefield V wird, nachdem Battlefield 1 im ersten Weltkrieg spielte, wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren, nämlich zum zweiten Weltkrieg. Damit sind die Erwartungen schon einmal hoch angesetzt, viele Fans warten seit Jahren auf die Rückkehr in das klassische Setting.

Doch schon kurz nach der Vorstellung des ersten Trailers meldete sich die Community wieder kritisch zu Wort. Der Trailer wurde als zu unrealistisch empfunden, zu viel Hollywood-Action, weibliche Super-Frontsoldaten, futuristisch anmutende Prothesen und eine cinematographie des vorgerenderten Trailers die eines Michael Bay würdig wäre, waren die meist genannten Kritikpunkte. Trailer und die kreative Direktion eines Spiels sind Geschmackssache, jedoch machten DICE, die Entwickler des Titels denselben Fehler, wie die Lucas Arts Chefin beim Debakel um The Last Jedi, sie attackierten ihre Community. Diese sei frauenfeindlich und rückständig, das Spiel sei historisch akkurat genug – der Spaß habe Vorrang, wir lebten in einer Zeit, in der starke Frauen auch ihren Platz in 2. Weltkriegsspielen haben und genau für solche unerwarteten Erfahrungen setzen sich DICE ein. Aber dafür gibt es einen „Royale“-Mode. Wer hätte das gedacht, EA stürzt sich auf den Trend-Game-Mode des Jahres.

Wie man nun auch immer zu den politisch motivierten Entscheidungen Frauen in Battlefield V als Superhelden an die Front zu schicken auch stehen mag, was man auf keinen Fall tun sollte als Entwickler des wohl meistgehassten Publishers auf dem Planeten, ist seine Fans und somit seine Kunden anzugreifen.

Man darf auf den Erfolg von Battlefield V gespannt sein und ob EA wieder zu der früheren Qualität zurückfindet. Ein fehlerfreier Launch, klare Kommunikation mit den Fans und reichlich Content der frei erspiel- und erfahrbar ist wären wünschenswert.

Marco Naprawik

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